Wie bereits erwähnt ist Vorbereitung alles. Und die Vorbereitung sollte besonders beim Grundriss gründlich sein. Zum Glück gibt es einige sehr gute Tools im Internet, mit denen man relativ schnell und leicht die komplette Grundrissplanung übernehmen und nach eigenen Wünschen anpassen kann. Im Idealfall gibt es auch eine 3D-Ansicht, mit der sich die Grundrisse auch räumlich darstellen lassen, um z.B. Möbel oder Tapeten planen zu können.

Sweet Home 3D

Bevor ich zu Live Home 3D komme, möchte ich noch kurz ein paar Worte zu Sweet Home 3D verlieren. Dieses Tool ist kostenlos auf http://www.sweethome3d.com/de/ herunterladbar. In diesem Programm lassen sich Wände, Möbel und auch Pflanzen planen. Es werden auch mehrere Etagen unterstützt.

Zusätzliche Einrichtungsgegenstände lassen sich über Objektbibliotheken, die online auf der Seite von Sweet Home 3D erhältlich sind, importieren und im Plan einbetten. Die Objektauswahl ist ausreichend groß, um die wichtigsten Objekte planen zu können.

Allerdings lassen sich wesentliche Merkmale nur sehr schwer zeichnen:

  • Dächer lassen sich nur als Objekte, die man exportiert und wieder importiert einsetzen. Fenster in Dächern lassen sich noch schwerer planen.
  • Außenanlagen mit Pflanzen und Bäumen sind vergleichsweise aufwändig.
  • Obwohl es viele Objekte gibt sind Grundelemente wie Fenster und Türen eingeschränkt importierbar, daher sind individuelle Türen oder Fenster nicht einfach möglich

Dennoch: das Tool ist kostenlos und daher als erster Einstieg in die Grundrissplanung vollkommen ausreichend für die Planung des zukünftigen Eigenheims.

Unser Haus in Sweet Home 3D

Live Home 3D

Dieses Tool ist leider nicht kostenlos, allerdings Preis-Leistungs-technisch in einem vollkommen akzeptierbaren Bereich. Für etwa 20€ lässt sich das Tool für Windows, Mac bzw. iPad in den jeweiligen App Stores kaufen und herunterladen. Es gibt eine kostenlose Testversion, die die wichtigsten Werkzeuge bietet und so einen ersten Einstieg bietet. Aber spätestens, wenn es in die Detail-Planung geht, sollte man die 20€ lieber investieren. Nochmal zur Erinnerung: jede angefangene Architektenstunde kostet uns 290€. Hiergegen ist der Kauf sehr gut und effektiv investiertes Geld.

Wir haben also die gesamten Grundrisse inkl. aller Maße für Wandhöhen, Traufhöhen, Firstüberständen usw. in das Tool übertragen. Bereits jetzt konnte man in der 3D-Ansicht sich das neue Haus sehr schön vorstellen. Nach einigen weiteren Stunden Planung und virtuellem Möbel schieben haben wir alles geplant, was uns einfällt.

Pro

  • Das Tool ist sehr leicht verständlich und es dauert nicht lang, bis man die ersten Grundrisse gezeichnet hat.
  • Durch das Maßbandtool kann man alle Wände oder Abstände genau messen. Die Maße rasten an vielen Objekten ein, so dass beim Verschieben des Objekts sich auch das Maß automatisch anpasst und auch minimale Anpassungen machen kann.
  • Die Objektbibliothek ist unendlich durch Sketch-Dateien oder andere unterstützte 3D-Objekt-Dateien erweiterbar. Durch den eingebauten Objekt-Browser kann man sich nahezu jedes erdenkliche Möbelstück herunterladen. Es gibt auch unzählige IKEA-Objekte. Wenn man auf IKEA steht, kann man sich das Haus absolut realistisch einrichten.
  • Die Wetter-Funktion und auch die Sonnenstandssimulation helfen dabei, Lampen bzw. generell die Beleuchtung im Haus zu planen. Besonders im Garten kann man so schauen, ob alle Bereiche gut ausgeleuchtet sind.
  • Mit dem 3D-Panorama-Export lassen sich die 3D-Ansichten in 360°-Bilder exportieren, welche mit VR-Brillen wie dem Google Cardboard auf dem Telefon angeschaut werden können. Die iPad-Version soll es sogar ermöglichen, virtuell im Raum umher zu laufen, während man das Tablet zur Orientierung hält.
  • Es lassen sich auch virtuelle Rundgänge mit entsprechenden Kamerafahrten machen. So kann man z.B. Freunden das neue Haus zeigen noch bevor der erste Stein steht.

Contra

  • Wände lassen sich leider nicht frei „tapezieren“. Das heißt, dass man entweder die komplette Wand einfärbt oder die Wand irgendwie teilen muss. Das Teilen gelang mir leider nur durch anschließende Wände, die die Wand in zwei Segmente trennt. Allerdings entsteht dadurch ein unbrauchbares Wandelement, welches auch wieder doof ist. Bei Dächern ist es sogar noch schlimmer, da sich diese über mehrere Räume erstrecken und somit nur separat gefärbt werden können, in dem man das Dach dupliziert und auf die jeweilige Raumgröße verkleinert. Hier kann es allerdings an den Überlappungskanten zu unschönen Effekten kommen.
  • Die 2D-Aufrissansicht, das ist der Reiter neben der Grundrissansicht, ist meines Erachtens ziemlich nutzlos. In der Theorie sollte man hier eine Wand auswählen können und diese in der Frontaldarstellung von beiden Seiten bearbeiten können. Allerdings wird zumindest in der Windowsversion immer die Außenwand angezeigt, ungeachtet dessen welche Wand man ausgewählt hat. So macht es wenig Sinn die Innenraumwände zu planen, so dass ich hier eher die 3D-Darstellung genutzt habe.
  • Der Objektbaum lässt sich nicht in der Projektstruktur gruppieren, sondern man muss alle Objekte dort auswählen und in der Grundrissdarstellung mit der rechten Maustaste gruppieren. Es lassen sich auch leider keine Objekte in der Projektstruktur in eine bestehende Gruppe verschieben, so dass man die Gruppe auflösen und neu gruppieren muss.

Learnings

Der Aufwand lohnt sich immer. Investiert lieber etwas mehr Zeit in die Planung, um zu späte Änderungen, die teuer ins Geld gehen, zu vermeiden. Plant auch die Außenanlagen so gut es geht, da diese bei scheinbar gern etwas zu kurz kommen in den Vorabgesprächen. Bei vielen Bebauungsplänen müssen Stellflächen und ggf. geplante Garagen und Car-Ports bereits im Antrag eingezeichnet sein. Wenn man sich von Anfang an einig ist, reduziert sich der Klärungsbedarf mit dem Architekten.

Nutzt die virtuellen Rundgänge um Bewegungsabläufe durchzuspielen. Geht gedanklich durch, wie

  • ihr euren Einkauf ins Haus tragt und den Kühlschrank räumt.
  • ihr morgens aufsteht und ins Bad zum fertig machen geht.
  • ihr einen Grillabend auf der Terrasse durchführt.
  • ihr nach einem regnerischen Tag ins Haus kommt und eure nassen Jacken und Schuhe ausziehen müsst.
  • ihr abends ins Bett geht.

So blöd, wie das klingen mag, aber diese Abläufe können auch dabei helfen, die Hausplanung zu optimieren. Wo muss ich beispielsweise eine zusätzliche Tür einplanen? Wo sollte das Badezimmer sein, näher beim Elternschlafzimmer oder eher bei den Kindern? Wie kann ich den Weg aus der Küche zur Terrasse verkürzen oder Kräuter aus dem Garten in die Küche bringen? Wo ist der nächste Lichtschalter, wenn ich gerade nichts sehe?

Ein paar Beispiele: wir haben festgestellt, dass wenn wir unsere Treppe spiegeln, die Badezimmertür im Obergeschoss zum Flur hin öffnen können, so dass mehr Platz im Bad ist. Beim durchgehen durch das Haus haben wir virtuell die Lichtschalter gesucht und festgestellt, dass der bisher geplante Lichtschalter an der Treppe dazu führen könnte, dass die Kinder in der Nacht bei der Suche nach dem Schalter, die Treppe hinunterfallen können. Durch das Verschieben einer Terrassentür konnten wir den Weg von draußen in die Küche drastisch verkürzen.

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