Nachdem wir Wurzen hinter uns gelassen haben, haben wir relativ schnell ein weiteres sehr interessantes Angebot gefunden: ein Reihenhaus in Schkeuditz. Hier war der Preis schon mal top. Das Exposé kam mit folgenden Werten daher:

  • 99m² Wohnfläche
  • 165m² Grundstück
  • zusätzlicher Stellplatz außerhalb des Grundstücks
  • sehr gute Verkehrsanbindung über Nah- und Fernverkehr

Das ganze sollte nur glatte 200.000€ kosten. Wenn hier Preis-Leistung nicht stimmt, weiß ich auch nicht. Für ca. 50.000€ mehr bekommt, man etwa 100m² Grundstück mehr geboten. Wir haben uns sofort das größere und ein kleines Grundstück reserviert und einen Besichtigungstermin vereinbart. Das Wohngebiet liegt in den Halleschen Feldern und die Häuser wurden wie am Fließband hochgezogen und eines gleicht dem anderen, aber wir haben kein Problem mit mangelnder Individualität bei der Hausfassade, also was soll’s. Die Gegend ist schön und ruhig.

Wie wichtig die Besichtigung sein wird, konnten wir da noch nicht ahnen. Wir konnten uns ein baugleiches Gebäude ansehen, welches minimal größer ist, dass das reservierte 99m²-Haus, für welches wir uns interessiert haben. Aber etwas stimmte nicht: die Räume wirkten klein, teilweise sogar winzig. In die einzelnen Räume hätte nur mit Drücken und Schieben unser aktueller Hausstand platz gefunden. Das konnte nicht möglich sein. So bat ich den Projektleiter um Grundrisse und eine gültige Wohnflächenberechnung. Mehr als einen halbwegs maßstabsgetreuen Grundriss des Hauses konnte man uns allerdings nicht bereitstellen.

Fast 15m² weniger eff. Wohnfläche

Aber dem Lineal konnte man zumindest grob die Raummaße entnehmen und wir waren regelrecht schockiert, dass wir nur ca. 85m² errechnen konnten. Wir kontaktierten daraufhin den Bauleiter erneut und erfragten eine Wohnflächenberechnung. Diese gab es nach-wie-vor nicht – seltsam, denn im Wohngebiet wurden bereits 20 – 30 Wohneinheiten diesen Typs verkauft. Auf die 85m² angesprochen, kam letztlich heraus, dass die Grundflächen für Stellplatz und Terrasse mit allein schon ca. 8m² einkalkuliert werden. Wo die anderen 7m² sind, wissen wir bis heute nicht.

Wir haben uns im Anschluss informiert, wie die Wohnflächenberechnung zu erfolgen hat. Hier gilt die Wohnflächenverordnung (WoFlV), welche zwar Terrassen zur Wohnfläche hinzuzählt, jedoch in der Regel nur zu 25%. Garagen und Stellplätze werden gar nicht mit berechnet. Da wir durch die nun bekannte echte Wohnflächengröße gerade einmal ca. 10m² mehr als bisher hätten, sind wir auch von diesem Angebot zurückgetreten.

Knebelverträge

Nicht nur die Wohnflächenberechnung war kurios. Die Versorgungsverträge waren ebenfalls teils nebulös gehalten: Verträge mit „normalen“ Energieversorgen war nicht möglich, sondern man wurde an ein Nah-BHKW gebunden. Fernsehen, Internet und Telefonie wurden vom Service-Negativ-Champion Pyur für mind. 5 Jahre aufgezwungen. Für die Heizungsanlage konnten Kostenumlagen von bis zu 80% geltend gemacht werden, wobei unklar war, wann und wie diese notwendig werden. Das Haus wurde des Weiteren nicht komplett gekauft, sondern mittels Eigentümerteilungsvertrag in einer Eigentümergemeinschaft geregelt. Fassade, Dach, Regenrinne und diverse andere Dinge wären Sache der Gemeinschaft.

Learnings:

  • Wohnfläche und Nutzfläche genau erfragen, nicht mit irgendwelchen Grundrissen abspeisen lassen.
  • Wohnflächenberechnung nach WoFlV gehören zu den Vertragsbestandteilen, auf die man Anspruch hat
  • Blenderpreise genau hinterfragen, irgendwo ist immer ein Haken
  • Verknüpfte Verträge mit Versorgern genau prüfen

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