Unser Obergeschoss besteht vollständig aus Trockenbauwänden. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es sei denn, man beschäftigt sich etwas mehr mit dem Aufbau von solchen Wänden und liest, welche Lasten solche Wände tragen können. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass manchmal die Belastung auf eine Wand größer sein kann als erwartet:

  1. Hatte ich in meinem ehemaligen Kinderzimmer einen Ikea-Klapptisch aus der Wand gerissen, da ich etwas schweres darauf gestellt hatte. Der Tisch war noch vollkommen okay, aber in der (Ziegel-)Wand klaffte ein ca. 30×30 cm großes Loch.
  2. Hatten wir in unserer Wohnung eine Gardinenstange aufgebaut, welche beim Anhängen der Gardinen ebenfalls aus der Wand gerissen wurde. Auch dort war ein sehr großes Loch zurück geblieben.
  3. Unser Schuhschrank wäre ebenfalls fast aus der Wand gefallen, wenn wir nicht rechtzeitig nachgebessert hätten.

…und noch viele weitere Sachen mehr.

Letztlich ist es also nur verständlich, wenn man bei nur 1cm dicken Gipsplatten nicht besonders hohes Vertrauen in die Tragfähigkeit steckt. Aber was kann so eine Trockenbauwand eigentlich ab?

Die üblichen genannten Werte liegen bei folgenden Traglasten für ein typisches Regal mit ca. 30cm Tiefe:

  • 30 – 40kg/m bei Einfachbeplankung
  • 60 – 70kg/m bei Zweifachbeplankung

Die Angabe pro Meter bedeutet, dass jeder weitere Dübel die Tragfähigkeit nicht verbessert, sondern die Gesamtbelastung auf die Gipsplatte entscheidend ist. Wenn man also größere Lasten an solche Wände bringen möchte, sollte also eine Zweifachbeplankung wählen. Wir haben in unserem Vertrag allerdings nur eine Einfachbeplankung enthalten. Eine Zweifachbeplankung würde immens ins Geld gehen.

Wenn man allerdings schon weiß, wo welche Regale oder Schränke an die Wand gebracht werden sollen, bietet es sich an, Traversen einzuziehen.

Tra…was?

Traversen sind Querträger, die zum Beispiel aus Holdplatten oder Leisten in den Trockenbauprofile geschraubt und an die dann die Regale montiert. Wenn man nun nach Trockenbautraversen online sucht, findet man recht schnell vorkonfektionierte Bretter mit Nut oder gar Winkeln. Die Preise variieren zwischen 10€ und stolzen 30€ je Stück. Wenn man wie wir 15 Traversen benötigt, summiert sich das auf 150 – 450€. Die günstigen Traversen bestehen aus OSB-Platten. Diese lassen sich aber auch vergleichsweise einfach und günstig selbst herstellen:

Man benötigt an Material:

und an Werkzeug:

  • Zollstock
  • Stichsäge
  • Oberfräse mit 10mm Fräsmesser (oder Stemmeisen und Hammer)

Üblicherweise wird das Ständerwerk im Normabstand von 62,5cm aufgebaut. Das heißt, in diesem Abstand werden die CW-Profile aufgestellt. Das C steht dabei für die Form des Profils. Dazu kommen wir gleich. Die OSB-Platten haben genau die Breite von 62,5cm, weshalb sie auch gern für die Beplankung selbst verwendet werden.

Die Platten sind 2,05m lang. Wir haben unsere Platten in fünf 41cm breite Platten geteilt. Die Dachlatten haben wir dann in 40cm lange Stücke zugesägt.

Die Dachlattenstücke werden dann bündig auf die Seite der OSB-Plattenstücke geschraubt. Nun kommt der entscheidende Teil: die korrekte Länge der Traverse ermitteln. Denn obwohl es einen Normabstand gibt, zeigte sich bei uns im Haus: “Gleichbleibender Abstand? Wir machen frei-schnauze.” Man misst also den Abstand von der linken Außenkante des ersten Profils bis zur linken Außenkante des zweiten Profils und zieht einen 5mm ab. Die 5mm benötigen die Profile selbst.

Beispiel: 615mm – 5mm = 610mm

Wir kürzen also die Traversen auf die entsprechende Länge ein. Da die Profile wie ein C geformt sind und der Bogen durch das Anschrauben verbogen werden würde, muss dieser Teil mit einer Nut versehen werden. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: In Handarbeit mit Hammer und Stemmeisen oder mit einer Oberfräse. Wir haben uns zunächst für den ersten Weg entschieden und für wenige Zentimeter Nut eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Also haben wir uns stattdessen noch schnell im Baumarkt eine Oberfräse samt Fräsmesser gekauft. Die Nut muss im Abstand von 4,5cm auf der gegenüberliegenden Seite der aufgeschraubten Dachlatte gefräst werden.

Sobald die Traversen fertig vorbereitet sind, können sie in die Trockenbauwände eingesetzt werden. Man beginnt dabei mit der Seite mit der Dachlatte und verschraubt die Dachlatte in das CW-Profil. Anschließend schraubt man in die OSB-Platte und verbindet sie mit dem anderen Profil (siehe Pfeile). Nun setzt man die nächste Traverse ein. Jetzt zeigt sich auch, wozu die Dachlatte da ist: da die vorhergehende Traverse das Profil bereits verdeckt müsste von Vorn verschraubt werden, stattdessen schrauben wir aber wieder in die aufgeschraubte Dachlatte und auf der anderen Seite in die OSB-Platte.

Schema des Einbaus der Traversen

Wir haben in unserer Ankleide zwei durchgehende Traversenreihen eingezogen, so dass wir daran dann das Regal befestigen können.

Fertig eingebaute Traversen

Learnings:

  • Wir haben für die OSB-Platten ca. 23€ pro Stück und für die Dachlatten ca. 3€ pro Stück bezahlt. Schrauben sind vernachlässigbar. Jede Traverse kostet also etwas mehr über 5€. Die Oberfräse hat uns ca. 80€ gekostet. Durch die Ersparnis durch den Selbstbau gab es quasi die Oberfräse “umsonst” dazu. Wenn man mehr Traversen benötigt, spart natürlich noch mehr.
  • Mit den Traversen sind wir nun wesentlich entspannter was die Traglast unserer Regale angeht. Mit nur einfach beplankten Wänden hätte ich sehr große Bedenken gehabt. Schwerlastdübel oder spezielle Hohlraumdübel kosten auch nicht gerade wenig.
  • Ich kann nur jedem empfehlen die Traversen mit einer Oberfräse vorzubereiten. Mit Stemmeisen oder anderen manuellen Werkzeugen macht man sich zum Elch. Alternativ geht natürlich auch eine Bohrmaschine im Bohrständer oder Oberfräsenadapter für Bohrmaschinen.

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