Als wir im Dezember 2019 unseren Hausbauvertrag unterzeichnet hatten, hätten wir niemals auch nur erahnen können, wie sich die Welt innerhalb der nächsten 1½ Jahren verändern wird. Das Offensichtliche beginnt in etwa zur gleichen Zeit als in Wuhan die ersten Corona-Fälle bekannt geworden sind. Wir haben die Meldungen noch als weitere gewöhnliche Grippe abgetan und vollkommen unterschätzt, was da auf uns zu rollt.

Ein Jahr später im März 2021 wurde das Containerschiff Ever Given durch starken Wind vom Kurs abgetrieben und havarierte. Es stauten sich mehrere hundert Schiffe. Das Schiff konnte erst Wochen später freigesetzt werden. Die Auswirkungen spüren wir noch immer.

Ein paar Jahre vorher befeuerte ein gescheiterter Immobilienmogul und TV-Persönlichkeit als Darsteller eines amerikanischen Präsidenten einen Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China. Getreu “America first!” ist es jetzt allerdings “China first!”, die aus der Corona-Krise heraus gehen und ihre Wirtschaft wieder hochfahren, was auch wir hier mitbekommen.

Lockdown-bedingt sind natürlich auch Flugzeuge weitgehend auf dem Boden der Tatsachen geblieben. Urlaubs- oder Geschäftsreisende sind nur noch wenige unterwegs gewesen. Tausende Pilotenstellen sollen reduziert werden. Viele lassen sich zu Lokführern umbilden. Aber so ruhig es am Himmel jetzt ist, so beunruhigender ist dessen Auswirkung.

Verkettung unglücklicher Umstände

Es mag absurd klingen, aber all diese kleinen Zufälle sind die Schmetterlinge, die auf der anderen Seite der Welt einen Orkan auslösen. Corona hatte dabei die größte Aktie dran. Die Wirtschaft wurde weltweit fast auf 0 zurückgefahren, um die Ausbreitung zu stoppen. Allerdings konnten erst China und anschließend die USA sehr schnell aus der Krise hervorgehen und haben das Geld, was während der Krise nicht ausgegeben werden konnte, direkt in neue Dinge. Besonders das eigene Haus wurde ordentlich aufgewertet. Dementsprechend sind besonders Baumaterialien sehr gefragt. Teilweise wird für Bauholz das dreifache des Preises als in Deutschland bezahlt. Dementsprechend werden die Waren auch bevorzugt auch dort verkauft.

Doch der Nachschub nach Europa mangelt. Die Schiffshauptverkehrsader ist blockiert und hunderte Schiffe stehen im Stau. Selbst nachdem die Ever Given frei war, ebbten die Probleme nicht ab. Die Container, die noch auf See waren fehlten für die weitere Kommissionierung in den Häfen, was zu weiteren Verzögerungen führten.

Die Waren einfach per Flugzeug transportieren ging auch nicht. Üblicherweise werden Passagierflugzeuge zum Teil auch mit Fracht beladen. Doch die Flieger flogen nicht, die Fracht musste anders transportiert werden. Es gibt auch nicht genügend Frachtflieger, um den Ausfall zu kompensieren. Das hatte wiederum Auswirkungen auf die Kunststoffherstellung: PVC, also der Kunststoff aus denen z.B. KG-Rohre oder Bodenbeläge wie Vinyl-Böden bestehen, wird aus einem Nebenprodukt der Kerosinherstellung produziert. Ohne Kerosin, kein PVC. Ohne PVC keine KG-Rohre.

Und so ist es also, dass es gerade an allen Ecken und Enden fehlt: Holz, Stahl, Kunststoffrohre, Dämmung… Die Verzögerungen, die dadurch entstehen können immens werden. Und so beginnt das große Hamstern und Feilschen. Willkommen in der neuen Mangelwirtschaft.

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