Für heute 10:00 hatte ich mit unserem Bauherrenberater die Abnahme der Bodenplattenbewehrung geplant, da für 12:00 die Betonage geplant war. Nun ja, es kam anders als erwartet.

Um 07:00 hat mich unser Nachbar geschrieben, dass nun das Gerüst wieder abgebaut wurde. Als ich um 09:00 auf der Baustelle ankam, sah ich wie die Bauarbeiten an der Bodenplatte vorangingen, aber bei weitem noch keine Bewehrung ausgelegt war. Noch nicht mal die Untersohlendämmung war vollständig ausgelegt. Um 10:00 kam dann auch wie vereinbart unser Berater und haben dann gemeinsam gefragt, wie denn der Stand sei. Der Vorarbeiter war sichtlich gestresst und von der Situation genervt. Er war uns gegenüber total freundlich und hat auch versucht sich für die Lage zu entschuldigen, aber letztlich konnte er es nicht schön reden: es sah besch**** aus.

Da das Gerüst noch abgebaut werden musste, ging es erst verspätet los. Zu allem Übel war auch noch zu wenig Untersohlendämmung geliefert worden. Einer der Bauarbeiter musste nach Leipzig fahren, um neue zu kaufen (45 Minuten je Richtung!). Die Bewehrungspläne und auch die Handkreissäge waren natürlich im Auto, so dass ein Stopp drohte.

Unser Berater konnte nur bis spätestens 12:00. Bis dahin wäre die Bewehrung aber nie fertig geworden. Der Vorarbeiter rechnete mit etwa 14:00. So haben wir vereinbart, dass ich auf der Baustelle bleibe und regelmäßig Fotos mache und wenn die Bewehrung steht, über Videotelefonie die Abnahme durchführen. Der Berater ist also wieder abgeschwirrt und ich blieb da.

Nachdem die Verschalung mit Kettensäge zurechtgeschnitten wurde, standen wir nun da und konnten nur warten, bis der Kollege mit der Dämmung kommt. Um die Stimmung aus dem Tal zu holen, habe ich erstmal eine Runde Kaffee spendiert. Das hilft Wunder! Der Vorarbeiter prüfte indes die Matten und stellte fest, dass diese zu lang waren und gekürzt werden mussten. Aber wie viel? Er wusste nur noch 5,30m oder 5,60m. Nachschauen ging nicht, die Pläne waren ja unterwegs. Als komplett Unwissender habe ich dann nur “doof gefragt”: “Die Matten müssen ja genau zwischen die Fundamentbewehrung passen. Lässt sich das nicht nachmessen?” Und da ist dem Vorarbeiter sichtbar die Anspannung von den Schultern gefallen: “Natürlich!”.

Nachdem der Knoten nun geplatzt schien, habe ich mich angeboten, mitzuhelfen, wenn wir damit die Bodenplatte heute fertig bekommen. Also aus dem Auto die Handschuhe geholt und auf geht’s. Zwischenzeitlich kam auch der verschollene Arbeiter mit der neuen Dämmung wieder an. Der Vorarbeiter hat dann jeden Arbeitsschritt genau erklärt, so dass ich ihn nachvollziehen konnte und habe so mithelfen können, die Bewehrung auszulegen. Etwa 2 Tonnen Stahl mussten an Ort und Stelle gebracht werden. Unser Berater erhielt nach jedem Arbeitsschritt entsprechende Fotos und 14:00 war es dann endlich geschafft. Betonpumpe und Mischer standen schon bereit, als ich noch die Videotelefonieabnahme mit unserem Berater durchgeführt habe. Der Vorarbeiter verfolgte das Gespräch in unmittelbarer Nähe (coronakonforme 1,5m) und hat sofort jede Anmerkung unseres Beraters umgehend umgesetzt. So hat alles perfekt gepasst und er gab ein umfassendes Lob für die getane Arbeit und die Arbeiter. Der Vorarbeiter hat sich auch für die Mithilfe bedankt und meinte, dass es sonst sehr knapp bzw. nichts geworden wäre.

Am Ende hat alles geklappt und wir haben das Kapitel Bodenplatte abgeschlossen. Ironisch hierbei ist aber: wir haben jetzt wieder den Stand erreicht, den wir schon vor über 1 Jahr hatten. Eine Bodenplatte ohne Haus. Ich hoffe, dass es nicht dabei bleibt.

Learnings

  • Auch wenn der Tag anders verlaufen ist als geplant, bin ich zufrieden mit dem Endergebnis: Die Bodenplatte ist ohne Mängel abgenommen wurden. Die Arbeiter haben sehr gute Arbeit geleistet und waren sichtlich froh, dass noch zwei Hände da waren, die unterstützen konnten.
  • Der Vorarbeiter war fachlich absolut kompetent und hatte seine Leute im Griff. Das musste auch unser Berater anerkennen. Tolle Leistung!
  • Ich habe heute sehr viel gelernt. Nach dem heutigen Tage machen die Bewehrungspläne, die Teil der Statik sind, endlich Sinn.
  • Kaffee oder mal ein Malzgetränk hält die Stimmung oben.
  • Anstatt über die Situation zu meckern oder die Arbeiter damit allein zu lassen, hab ich mit angepackt. Letztlich wäre der ganze Zeitplan gefährdet: wenn heute nicht gegossen wird, dann frühestens Montag. Dadurch kann aber nicht gemauert werden und alles weitere verschiebt sich auch immer weiter. Die Straßensperre müsste verlängert werden und die anderen Gewerke kommen auch in Verzug. Also was hätte ich davon, nicht zu helfen?
  • Dennoch sei erwähnt, dass ich nur “Handlanger”-Arbeiten erledigt habe. Also in erster Linie die Bewehrungsstäbe an die Arbeiter zu verteilen oder auf Abstand zu legen. Alle 15cm eine Stange, das bekomme auch ich hin. Fixiert wurde alles von den eigentlichen Fachkräften.

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